# Alle Menschen dürfen die Unterwasserwelt entdecken

- Link: https://tauchsport-nidwalden.ch/adaptive-tauchen/
- Published: 2026-09-07T10:44:39+00:00
- Author: Tauchsport Nidwalden

Drei Tauchlehrer sitzen im Rollstuhl und fahren durch den Regen über einen Parkplatz.
Keiner von ihnen braucht einen. Genau das ist der Punkt.

## Man lernt es nicht, indem man darüber liest

Im September haben wir den PADI-Kurs für Adaptive Techniques besucht, zu dritt: 
Karin, Claudia und ein Tauchlehrer aus einer anderen Schule. Drei Tage lang ging
es nicht darum, wie man jemandem hilft. Es ging darum, selbst zu erfahren, wie sich
Dinge anfühlen, die man sonst nie hinterfragt.

Zwei der drei Tage waren wir in Nottwil zu Gast, im Schweizer Paraplegiker-Zentrum:
mit dem Hallenbad, einer Bahn mit Lift am Beckenrand und Rollstühlen aus dem Haus,
damit der Rollentausch kein Spiel bleibt. Das SPZ hat uns Bad und Räume geöffnet
und uns aufgenommen, als gehörten wir dazu. Dafür danken wir herzlich. Der dritte
Tag gehörte dem See, am Hausriff in Hergiswil.

Ein Weg vom Parkplatz zum Wasser sieht anders aus, wenn man ihn rollend zurücklegt.
Eine Schwelle, über die man sonst hinwegschreitet, ist plötzlich eine Entscheidung.
Ein Einstieg, den wir seit Jahren benutzen, hat auf einmal Stellen, die wir nie 
beachtet haben.

Man kann das nicht theoretisch verstehen. Man muss es machen.

![Ein Tauchlehrer gleitet vom Beckenrand ins Wasser, eine Kollegin sichert ihn von
der Wasserseite.](https://tauchsport-nidwalden.ch/wp-content/uploads/beitrag-09-
transfer-ins-wasser-scaled.jpg)

Transfer am Beckenrand im Hallenbad des SPZ Nottwil: ohne Beine ins Wasser und wieder
heraus, beides eine Aufgabe, gesichert vom Buddy. Im Kurs übernimmt jede und jeder
einmal die Rolle des Tauchschülers.

## Adaptive heisst nicht Sondertauchen

Der häufigste Irrtum ist, dass es sich um ein anderes Tauchen handelt. Tut es nicht.
Es ist dasselbe Tauchen, mit angepasster Technik.

Wer eine Hand nicht bewegen kann, lernt eine andere Art, den Automaten zu sichern.
Wer die Beine nicht einsetzt, taucht mit den Armen. Wer Reize schlecht filtert, 
bekommt ein Briefing in einer anderen Reihenfolge und mehr Zeit zwischen den Schritten.

Das Ziel ist immer dasselbe: nicht mitgenommen zu werden, sondern selbst zu tauchen.
Der Unterschied zwischen «wir helfen dir» und «du machst das» ist der ganze Unterschied.

![Zwei Taucher knien am Seegrund im Kraut, die Hände nebeneinander auf dem Grund.](
https://tauchsport-nidwalden.ch/wp-content/uploads/beitrag-09-haende-am-seegrund.
jpg)

Am Hausriff: Begleiten heisst daneben sein, nicht übernehmen.

## Warum das zu uns passt

Wir haben nie in Gruppen unterrichtet. Keine Massenabfertigung, keine Schnellbrevets,
keine sechs Fremden am Beckenrand. Zusammengelegt wird nur, wer sich kennt.

Das war nie als Inklusionskonzept gedacht, es ist einfach unsere Art zu arbeiten.
Aber es stellt sich heraus, dass genau das die Voraussetzung ist. Wer individuell
begleitet, kann auf die einzelne Person eingehen – und nichts anderes verlangt Adaptive
Tauchen.

Eine Übung länger machen, wenn sie noch nicht sitzt. Eine Pause einlegen, wenn es
zu viel wird. Den Ablauf umstellen, wenn die Reihenfolge nicht passt. In einer Gruppe
von acht Leuten geht das nicht. Zu zweit geht es immer.

## Eine Zertifizierung, die weitergegangen ist

Vor Kurzem durften wir eine junge Frau mit Trisomie 21 zum Open Water Diver zertifizieren.
Die Lernkurve zu beobachten, war der spannendste Teil des ganzen Kurses.

Was danach passierte, hatte niemand geplant: Ein Elternteil hat im Anschluss gleich
selbst den Open Water Diver gemacht – um sicherer mit der Tochter tauchen zu können.

Genau darum geht es. Nicht um einen betreuten Tauchgang, sondern um zwei Menschen,
die gemeinsam tauchen. Beide brevetiert, beide selbstständig.

## Für wen das gedacht ist

Nicht nur für Menschen mit einer Behinderung – Querschnittlähmung, Amputation, Sehbehinderung
oder eine andere körperliche Einschränkung. Genauso für Menschen mit ASS oder ADHS,
mit Depressionen, mit Angst- und Panikstörungen.

Unter Wasser gelten andere Regeln als an Land. Still ist es dort nicht: Im Roten
Meer knuspern und knacken die Papageienfische am Riff, im Fluss rollen die Kieselsteine,
und die Motoren der Schiffe hört man von weiter her, als man denkt. Was fehlt, ist
das Gedränge, das Stimmengewirr und die Erwartung, dass man etwas sagt. Für manche
Menschen ist genau das der erste Ort seit Langem, an dem sie zur Ruhe kommen.

Ob Tauchen im Einzelfall möglich ist, klärt die medizinische Selbstauskunft vor 
dem Kurs, bei manchen Themen zusammen mit einer Ärztin. Das ist kein Hindernis, 
sondern der normale Weg – und ein Ja auf dem Fragebogen bedeutet nicht Nein zum 
Tauchen. Es bedeutet, dass jemand mit Fachwissen hinschaut.

## Was das Zertifikat bedeutet

Seit dem 6. September 2026 sind wir eine PADI Adaptive Service Facility – als erste
und bislang einzige in der Schweiz.

Dahinter steht mehr als eine Urkunde. Verlangt werden geschultes Personal, zugängliche
Räume und Einstiege, und das Angebot, auch Angehörige auszubilden: Der Adaptive 
Support Diver richtet sich an Partner, Kinder oder Freunde, die mittauchen wollen.

Das ist der Teil, der oft übersehen wird. Wer mit einer Einschränkung taucht, taucht
selten allein – und wenn die Begleitung weiss, worauf es ankommt, wird aus einem
betreuten Tauchgang ein gemeinsamer.

Für blinde und sehbehinderte Menschen ist die Begleitung sogar entscheidend. Sie
führt die Hand zu dem, was man ertasten darf – das Pflänzchen, den Stein, die Muschel
oder eben das Wrackteil – und hält sie fern von dem, was man nicht ertasten will,
einen Rotfeuerfisch zum Beispiel. Zu wissen, was die Hände berühren dürfen, gehört
darum zum Wissen der Begleitung.

## Warum wir das machen

Weil wir überzeugt sind, dass alle Menschen die Unterwasserwelt entdecken dürfen.

Das ist keine grosse Geste. Es bedeutet nur, dass wir uns die Mühe machen, den Unterricht
an den Menschen anzupassen statt umgekehrt. Für manche heisst das mehr Zeit, für
andere eine andere Technik, für wieder andere einen ruhigeren Ablauf.

Und für alle dasselbe Ergebnis: Sie sind unter Wasser, schwerelos und leicht, und
sehen und fühlen, was dort ist. Wer nicht sehen kann, sieht mit den Händen.

[Zum adaptiven Tauchen](https://tauchsport-nidwalden.ch/tauchen-mit-behinderung/)
