Taucher schwebt über zwei im Seegrund verankerten Christbäumen, im Vordergrund links der Arm eines zweiten Tauchers.

Am Hausriff in Hergiswil: aus abgegebenen Christbäumen wird ein Unterwasserwald.

Umweltbewusstsein hört nicht an der Oberfläche auf

Warum wir eine Geschichte für Kinder geschrieben haben, weshalb zwei Kameras im Fischreis hängen und was das mit Tauchunterricht zu tun hat.

Vor ein paar Jahren hat Claudia eine Geschichte geschrieben. Nicht über den Fischreiser, sondern aus der Sicht eines Weihnachtsbaums, der im Januar im See landet und dort ein zweites Leben bekommt. Erschienen ist sie im Blog von Luzern Tourismus, in zwei Teilen.

Warum ausgerechnet eine Kindergeschichte

Es gäbe einfachere Wege, einen Fischreiser zu erklären. Ein Merkblatt zum Beispiel. Nur liest das kein Kind.

Eine Geschichte schon. Der Baum steht am Christchindlimärt, kommt in eine Stube, wird geschmückt, landet im Wasser – und trifft dort Wesen, die er für Vögel ohne Federn hält. Er lernt den Hecht kennen, der immer etwas grimmig schaut, und die Egli, die ihre Laichbänder über seine Äste legen.

Wer das gelesen hat, weiss danach, was ein Fischreiser ist. Ohne dass ihm das jemand erklärt hätte.

Kinder sind die Taucher von morgen

Das ist keine Floskel, sondern der Grund für den Aufwand. Tauchen kann man bei uns ab zehn Jahren lernen – der Junior Open Water Diver ist ein vollwertiger Einstieg, mit Einschränkungen bei Tiefe und Begleitung, die mit dem Alter wegfallen.

Interessanter als der Kurs ist aber, was davor passiert. Kaum ein Kind entscheidet sich fürs Tauchen, weil es einen Prospekt gesehen hat. Es entscheidet sich, weil es einmal etwas gesehen hat, das es nicht kannte.

Botschafter, nicht Missionar

Uns geht es beim Fischreiser um zwei Dinge. Das eine ist der Artenreichtum: Struktur im flachen Wasser bedeutet Deckung für Jungfische, und wo Deckung ist, wächst ein Bestand.

Das andere ist schwerer zu messen. Wir wollen zeigen, was unter der Oberfläche passiert – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger. Niemand ändert sein Verhalten, weil er belehrt wurde. Aber viele ändern es, wenn sie etwas kennen.

Botschafter sein heisst: hinschauen lassen, statt zu erklären, warum man hinschauen sollte.

Taucher zwischen mehreren im Seegrund stehenden Christbäumen im trüben Grünwasser.
Aus einzelnen Bäumen wird über die Jahre eine Struktur.

Deshalb hängen die Kameras dort, wo sie hängen

Am Hausriff in Hergiswil laufen zwei Unterwasser-Livecams auf rund vier Metern Tiefe. Sie stehen nicht am schönsten Platz und nicht am tiefsten – sie stehen im Fischreis.

Das ist Absicht. Wer die Kameras aufruft, sieht nicht einfach grünes Wasser, sondern die Stelle, an der etwas los ist: Egli zwischen den Ästen, Jungfischschwärme im Frühsommer, im Winter die kahlen Zweige und wenig Bewegung.

Man braucht dafür keine Ausrüstung, kein Brevet und kein gutes Wetter. Nur einen Bildschirm.

Es geht tiefer als das Klassenzimmer

Umweltbewusstsein endet nicht an der Wasseroberfläche. Und es entsteht nicht dadurch, dass jemand eine Liste bedrohter Arten auswendig lernt.

Es entsteht, wenn man versteht, wie Dinge zusammenhängen: dass ein Baum, den jemand nach Weihnachten weggeworfen hätte, im See zur Kinderstube wird. Dass die Jungfische darin überleben, weil der Hecht nicht zwischen die Äste kommt. Dass die Nadeln irgendwann verschwinden, weil sich Fische daran scheuern. Und dass dann wieder ein neuer Baum gebraucht wird.

Das ist keine Naturkunde-Lektion. Das ist ein Kreislauf, dem man beim Laufen zusehen kann.

Wer die Geschichte lesen will

Sie steht in zwei Teilen im Blog von Luzern Tourismus. Teil eins beginnt am Christchindlimärt und endet, als der Baum im Seegrund verankert wird. Teil zwei erzählt, was danach kommt – das erste Laichband, die Fischkinder, der erste Winter.

Beide Teile sind aus der Sicht des Baums geschrieben. Für Kinder, aber nicht nur.