Der wichtigste Teil eines Tauchgangs findet an Land statt. Nicht weil das Wasser unwichtig wäre, sondern weil man dort unten nichts mehr besprechen kann. Diskussionen mit einem Automaten im Mund verlaufen einseitig.
Ein Briefing ist kein Ritual
Es ist eine Liste, und sie ist immer gleich, damit nichts vergessen geht. Bei uns steht darauf:
- Der Platz: Skizze, wo getaucht wird, wo die Flagge steht
- Der Tauchgang: Einstieg und Ausstieg, geplante Tiefe, geplante Zeit, was geübt wird
- Die Begrenzungen und was es zu sehen gibt
- Die Risiken an genau diesem Platz
- Das Luftmanagement
- Die Handzeichen
- Die Buddyteams
- Der Notfallplan
Am Schluss: Fragen? Dann Buddycheck. Dann viel Spass.
Das dauert nicht lange. Es sorgt aber dafür, dass zwei Menschen mit demselben Bild im Kopf ins Wasser gehen – und nicht mit zwei ähnlichen.
Luft: zwei Zahlen, die nicht verhandelbar sind
Beim Luftmanagement legen wir zwei Punkte fest, bevor irgendjemand nass wird: Bei 100 bar wird umgekehrt, bei 50 bar aufgestiegen.
Das ist konservativ, und das soll es sein. Wer erst umkehrt, wenn es knapp wird, hat den ganzen Rückweg noch vor sich. Anstrengung, Kälte und Stress erhöhen den Verbrauch zuverlässig genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.
Warum Handzeichen so genau sein müssen
Unter Wasser gibt es keine Sprache, sondern eine Handvoll Zeichen. Die müssen sitzen, bevor du abtauchst.
Eindeutig müssen sie auch sein. Das Zeichen für «okay» ist kein Daumen nach oben – der heisst «auftauchen». Wer das verwechselt, schickt seinen Partner an die Oberfläche, obwohl er nur sagen wollte, dass alles bestens ist. Der Partner kommt dann verwirrt zurück, und man klärt das Missverständnis in Zeichensprache. Es geht schneller, wenn man es vorher lernt.
Deshalb üben wir Handzeichen an Land. Dort kann man sie zeigen, korrigieren und wiederholen, solange man noch reden darf.
Der Buddycheck ist kein Prüfungsritual
Hier verstehen ihn viele falsch. Der Buddycheck sieht aus wie eine Kontrolle: sitzt das Blei, ist die Flasche offen, funktioniert der Inflator, hängt der Ersatzautomat richtig.
Das ist er auch. Vor allem aber ist er etwas anderes: Er ist der Moment, in dem du die Ausrüstung deines Partners kennenlernst.
Denn wenn unter Wasser etwas nicht stimmt, bist du derjenige, der eingreift. Und dann musst du wissen:
- Wo hängt sein Ersatzautomat, und in welche Richtung zeigt er?
- Wie öffnet sich sein Bleisystem – Klettverschluss, Schnalle, Tasche?
- Wo sitzt der Inflator, wo das Ablassventil?
- Ist es ein Jacket oder ein Wing, und wie verhält es sich beim Aufblasen?
Diese Fragen kannst du unten nicht mehr stellen. Bei einem Partner, mit dem du zum ersten Mal tauchst, sind sie der eigentliche Zweck der Übung. Zwei Minuten an Land, damit du im Ernstfall nicht suchen musst wie in einer fremden Küche nach dem Besteck.
Der Notfallplan, den niemand braucht
Er wird trotzdem jedes Mal besprochen. Das ist der Sinn von Notfallplänen: Wer einen hat, braucht ihn meistens nicht.
Verliert man den Partner, sucht man eine Minute – nicht länger. Danach taucht man auf und trifft sich an der Oberfläche. Eine Minute klingt kurz, ist unter Wasser aber lang, und die Regel verhindert das Schlimmere: dass zwei Personen in entgegengesetzte Richtungen suchen, bis beiden die Luft ausgeht.
Dazu gehören der Rückruf, der Standort des Sauerstoffkoffers, die Nummer der Rega – 1414 – und die Frage, wo genau man eigentlich ist. Wer im Notfall anruft, muss den Standort nennen können. «Irgendwo am See» hilft der Rega nicht weiter.
Was das mit kleinen Gruppen zu tun hat
Ein Briefing für sechs fremde Personen wird zwangsläufig zum Vortrag. Man sagt alles, aber man merkt nicht, ob es angekommen ist. Alle nicken. Nicken ist kein Nachweis.
Zu zweit oder zu dritt ist es ein Gespräch. Man sieht am Gesicht, wenn jemand etwas nicht verstanden hat, kann nachfragen, ob die Handzeichen wirklich sitzen. Und die Person, die etwas nicht verstanden hat, traut sich zu fragen – weil keine fünf Fremden zuhören.
Deshalb legen wir nur Leute zusammen, die sich kennen. Und deshalb ist ein sauberes Briefing die halbe Miete: Was hier geklärt ist, muss unten nicht gelöst werden.
