Taucher macht am Ende der gelben Planke einen grossen Schritt ins Wasser, ein Bein noch in der Luft.

Der Schritt vorwärts vom gelben Brett am Hausriff, während eines Open-Water-Kurses.

Wie Piraten über die Planke

Ein Schritt, mehr ist es nicht. Beim ersten Mal ist es trotzdem der längste Meter des ganzen Kurses – und der, den man später überall braucht.

Es ist ein Schritt. Ein einziger. Trotzdem ist es beim ersten Mal der längste Meter des ganzen Kurses.

Warum bei uns ein Brett am Wasser liegt

Am Einstieg liegt ein gelbes Brett, über das man ins Wasser geht. Piraten hatten es dabei insofern einfacher, als bei ihnen niemand wieder hochkommen musste.

Der Zweck ist ernst gemeint. Auf fast jeder Tauchsafari steigt man genau so ins Wasser: ein Schritt vom Heck, über die Kante, hinein ins Blaue. Wer das zum ersten Mal mitten im Roten Meer macht, während sieben Leute in voller Montur hinter ihm warten, hat schlechte Karten. Wer es zwanzigmal in Hergiswil gemacht hat, denkt gar nicht mehr darüber nach.

Auf kleinen Booten gibt es die Alternative: die Rückwärtsrolle vom Balg des Schlauchboots. Kein Salto, keine Drehung, keine Haltungsnote – man lässt sich fallen und der Rest ist Physik.

Der eigentliche Inhalt sind die Hände

Der Schritt ist das Einfache. Interessant wird es bei dem, was die Hände tun.

Eine Handfläche liegt über dem Automaten, zwei Finger derselben Hand halten die Maske im Gesicht. Die andere Hand sichert, was sonst noch abhandenkommen kann: die Bleitaschen, die Instrumente oder das Maskenband am Hinterkopf. Bei der Rückwärtsrolle schützt sie zusätzlich den eigenen Hinterkopf vor der ersten Stufe, was sich als sinnvoll erwiesen hat.

Der Blick geht zum Horizont, nicht ins Wasser. Wer nach unten schaut, kippt nach vorne und lernt etwas über Schwerpunkte.

Und es heisst Schritt, nicht Sprung. Der Unterschied merkt man in den Knien.

Was passiert, wenn die Maske nicht sitzt

Beim Eintauchen wirkt kurz einiges an Kraft. Eine Maske, die niemand hält, nutzt die Gelegenheit.

Am Ufer ist das ärgerlich. Über tiefem Wasser ist es das Ende des Tauchgangs. Die Maske sinkt, und bei uns im See ist der Grund an vielen Stellen sehr weit unten. Was auf hundert Meter fällt, ist nicht kaputt und nicht verloren – es ist einfach dort.

Wir verkaufen übrigens gerne Masken, beraten dazu ausführlich und haben eine grosse Auswahl im Laden. Wichtiger ist uns trotzdem, dass die Handgriffe sitzen. Der Umsatz nützt niemandem, der ohne Maske am Ufer steht.

Die Überwindung ist völlig normal

Fast alle zögern beim ersten Mal an der Kante. Das ist keine Schwäche. Der Körper findet es unvernünftig, mit fünfzehn Kilo auf dem Rücken vorwärts ins Wasser zu treten – und der Körper hat damit nicht ganz unrecht.

Dagegen hilft Wiederholung, nicht gutes Zureden. Deshalb üben wir den Einstieg früh und mehrfach, im flachen Wasser, wo ausser dem Stolz nichts Schaden nehmen kann. Beim dritten Mal ist es ein Schritt. Beim zehnten ist es keine Frage mehr.

Der Rest des Tauchgangs fängt danach an

Wer kontrolliert eintaucht, kommt hoch, orientiert sich, gibt das Okay-Zeichen und taucht in Ruhe ab.

Wer die Maske verliert oder schief landet, verbringt die ersten Minuten damit, sich zu sortieren – mit Wasser in der Nase und Puls im Ohr. Der Tauchgang ist dann nicht verdorben, aber der Anfang ist verschenkt.

Deshalb steht der Einstieg früh im Kurs. Nicht weil er schwierig wäre, sondern weil danach alles leichter wird.