Ein Doppelgerät kommt zur Revision. Gebraucht gekauft, aus einer «vertrauten Quelle», wie der Besitzer sagt, und dort «immer sicher gefüllt». Wir schrauben das erste Ventil ab, legen ein weisses Tuch unter den Stutzen und kippen die Flasche. Was herausläuft, ist braun.
Zwei Flaschen, dasselbe Bild
Das Tuch saugt sich voll, es bleiben Partikel liegen, beim Schütteln kommt noch mehr. Die zweite Flasche des Geräts: genau gleich viel Rostwasser. Von aussen war beiden nichts anzusehen. Sie waren gefüllt, sie hielten Druck, sie gaben Luft. Der Besitzer ist damit getaucht, mehr als einmal.
Wie das Wasser hineinkam, lässt sich im Nachhinein nicht sagen. Am wahrscheinlichsten über Ventile, die nicht trocken waren, als gefüllt wurde. Sicher ist nur eines: An einer überwachten Füllanlage passiert das nicht. Bei uns misst die Anlage die Feuchte der Atemluft laufend, jede Füllung ist protokolliert. «Immer sicher gefüllt» ist eine Behauptung, kein Messwert.
Das Standrohr, das nicht mehr da war
Beim Ausbau fiel das Zweite auf: Das Standrohr fehlte. Dieses kleine Rohr aus Kunststoff sitzt am Ventil und ragt in die Flasche, damit die Luft nicht direkt am Flaschenhals abgesaugt wird, sondern etwas weiter unten. Es war abgebrochen und lag nicht mehr im Ventil.
Was das bedeutet, kann man durchspielen. Das Gerät hatte zwei Ventile mit je einer ersten Stufe, wie es beim Doppelgerät üblich ist. Macht der Taucher unter Wasser einen Kopfstand, um etwa unter einen Felsen zu leuchten, laufen beide Ventile schlagartig mit Rostwasser voll. In jeder ersten Stufe sitzt ein Sinterfilter, ein feines Metallsieb. Bei diesem Wasser hätte es zugemacht. Beide. Gleichzeitig. Dann kommt keine Luft mehr, in der Tiefe, ohne Vorwarnung.
Doppelgeräte tauchen meist Tec-Taucher, in Höhlen, an Wracks, in Tiefen, aus denen man nicht einfach aufsteigt. Dieser Taucher taucht nicht Tec. Er hatte Glück, nicht Vorsicht.
Was Rost in der Flasche sonst noch tut
Rost frisst Stahl. Die Wand wird dünner, an Stellen, die niemand sieht. Rost frisst auch Sauerstoff aus der Luft in der Flasche, langsam, über Wochen und Monate. Das ist nicht das grösste Problem an diesem Gerät, aber es gehört dazu: Eine Flasche, die innen rostet, enthält am Ende nicht mehr die Luft, die eingefüllt wurde.

Der Atemregler im Keller
Der zweite Teil dieser Geschichte spielt nicht bei uns, sondern in vielen Kellern. Der Atemregler liegt nach den Ferien in der Tauchtasche, die Kappe am Einlass der ersten Stufe ist zu, damit nichts hineinkommt. Nur trocknet er so auch nicht. Ein Jahr später steht die nächste Reise an, die Malediven sind gebucht, und der Regler «läuft nicht richtig».
Was wir dann auf der Prüfbank finden, ist immer ähnlich: Feuchtigkeit, die in der ersten Stufe geblieben ist. Salz, das beim Spülen nicht herausging. Dichtungen, die hart geworden sind. Sitze, die nicht mehr dicht schliessen. Das Ergebnis heisst Abblasen, oder ein Atemwiderstand, der in der Tiefe zum Problem wird.



Wie oft ein Regler zum Service muss, gibt der Hersteller vor. Wir empfehlen etwas Einfacheres dazu: einmal im Jahr auf die Prüfbank, und zwar bevor die Ferien gebucht sind, nicht danach. Ein Regler, der ein Jahr in der Tasche lag, hat keine Ahnung, dass er bald ins Meer muss. Die Marken, die wir verkaufen, revidieren wir im Haus. Danach läuft jeder Regler 30 Minuten auf der Testbank, bis die Einstellung so präzise ist, wie sie sein soll. Regler anderer Hersteller geben wir an deren Servicecenter, damit auch dort die Sicherheit gewährleistet ist.
Wer prüft, und wie oft
Für Tauchflaschen ist der Rhythmus in der Schweiz vorgegeben: alle zweieinhalb Jahre zur Prüfstelle, abwechselnd zur Sichtprüfung und zur Druckprüfung. Bei der Sichtprüfung kommt das Ventil ab, die Flasche wird innen und aussen angeschaut, das Gewinde kontrolliert. Bei der Druckprüfung kommt der vorgeschriebene Prüfdruck dazu. Das macht nicht der Tauchshop, sondern eine amtlich zugelassene Prüfstelle. Wir nehmen die Flasche entgegen, schauen mit der Kamera hinein, schätzen ab, was sie braucht, und organisieren die Prüfung, gesammelt, einmal im Jahr an der Aktion Samichlaus. Zurück kommt sie mit Stempel und Datum.
Genau diese Flasche wäre bei der Sichtprüfung aufgefallen, spätestens. Sie war nur nie dort.
Rost, der schon da ist, holen wir heraus: Die Flasche wird rolliert, mit Schleifmaterial im Innern, so lange, bis Flugrost und Rost weg sind. Riecht eine Flasche nach Öl, weil ein Kompressor nicht sauber gearbeitet hat, reinigen wir sie innen. Danach riecht sie nach Hergiswiler Alpenluft. Also nach nichts.
Fünf Dinge, die Du selbst in der Hand hast
- Nie leer tauchen. Restdruck in der Flasche hält Wasser draussen.
- Ventil zu, auch bei der Lagerung. Und trocken lagern, nicht in der nassen Tasche.
- Nur an Anlagen füllen, die ihre Luft messen. Frag nach, bevor Du füllst.
- Den Regler nach dem Tauchen spülen, mit Kappe zu, und dann offen trocknen lassen, bevor er in die Tasche kommt.
- Prüftermine ernst nehmen: Flasche alle zweieinhalb Jahre, Regler jährlich auf die Bank.
Am Freitag, 4. Dezember 2026 nehmen wir im Shop wieder Flaschen zur Prüfung entgegen, mit Fondue. Das Doppelgerät aus dieser Geschichte wäre dort in guten Händen gewesen.
