Was schenkt man einem Mann, der alles hat und von nichts zu überzeugen ist? Trix hat es mit einem Gutschein versucht: ein Schnuppertauchen am Vierwaldstättersee, rund drei Stunden, einlösbar wann er will. Markus fand die Idee nett. Und war sich sicher, dass man in einem Schweizer See ohnehin nichts sieht.
Ein kühler Freitag im Mai
Der Gutschein lag ein paar Monate in der Schublade. Im Mai war es dann so weit: ein Freitagmorgen, elf Uhr, der See noch frisch, der Himmel halb bedeckt. Die beiden kamen zusammen – sie als moralische Unterstützung, er mit der Haltung von jemandem, der einen Termin beim Zahnarzt hat.
Am Tisch im Laden ging es zuerst um alles andere als Ausrüstung. Um den See. Darum, wie ruhig es unter Wasser ist, wie das Licht durchs Wasser fällt, wie sich Schwerelosigkeit anfühlt. Markus hörte zu und sagte dann den Satz, den wir hier oft hören: «Man sieht doch nichts.»
Doch, siehst du. Schau mal auf den Bildschirm dort. Das ist unser Hausriff, live, jetzt gerade – die Kamera findest du auch auf unserer Webseite.
Claudia Meier, Tauchsport Nidwalden
Auf dem Bildschirm: vier Meter Tiefe, grünes Licht, ein Schwarm Egli, der vor der Kamera stand, als hätte er einen Auftritt. Markus schaute etwas länger hin, als er wollte.
Was in drei Stunden passiert
Ein Schnuppertauchen ist kein Kurs. Es ist eine Einladung, und sie läuft in dem Tempo, das der Gast vorgibt.
- Zuerst die Ausrüstung: was wozu dient, wie sich der Atemregler anfühlt, welche Handzeichen unter Wasser gelten.
- Dann der Weg zum See – weniger als eine Minute. Umziehen, zum Einstieg, hinein.
- Im flachen Wasser die ersten Atemzüge: erst mit dem Kopf über Wasser, dann knapp darunter, dann ganz.
- Und dann der eigentliche Tauchgang, an der Seite der Instruktorin, höchstens fünf Meter tief, so lange es sich gut anfühlt.
Markus brauchte für die ersten Atemzüge etwas länger. Das ist normal. Der Kopf weiss, dass man unter Wasser nicht atmen kann, und muss erst lernen, dass es jetzt doch geht. Dann ging es. Und dann ging er.
Ein Grinsen, das fast ein Kreis war
Eine gute halbe Stunde später stieg Markus aus dem See. Trix stand am Ufer und sah ihn kommen. Sie sagt, so habe sie ihn noch nie gesehen: Das Grinsen ging von einem Ohr zum anderen – und wären die Ohren nicht gewesen, es wäre ein Kreis geworden.
Was er gesehen hatte: den Egli-Schwarm, diesmal ohne Bildschirm dazwischen. Einen Hecht, der reglos zwischen zwei Stämmen stand und ihn musterte wie ein Türsteher. Das Licht, das von oben durch das grüne Wasser fiel. Und die Ruhe. Nicht Stille – man hört den eigenen Atem, die Blasen, weit weg einen Schiffsmotor. Aber kein Gedränge, kein Reden, nichts, das einen braucht.
Noch am selben Nachmittag hat er den Grundkurs gebucht. Das Schnuppertauchen wird daran angerechnet; der Anfang war also schon gemacht.
Weil kühl: gleich im Trockenanzug
Wer im Mai anfängt, dem empfehlen wir, von Beginn weg im Trockenanzug zu lernen. Der See ist um diese Zeit an der Oberfläche noch frisch, und in der Tiefe bleibt er das ganze Jahr über kalt. Ein Trockenanzug macht daraus keine Frage der Härte, sondern eine der Ausrüstung. Und wer so beginnt, muss sich später nicht umgewöhnen.
Markus hat den Grundkurs gemacht. Dann, weil er noch nicht satt war, gleich die nächste Stufe. Beides am selben See, am selben Hausriff, mit denselben Egli.
Ein Jahr später
Heute ist Markus ein Vierwaldstättersee-Taucher, wie es sie hier einige gibt: einer, der lieber im See als im Pool ist, der die Schwärme im oberen Bereich kennt und weiss, wo im Herbst die Hechte stehen. Will er Gesellschaft, bleibt er oben bei den Egli. Will er Ruhe, geht er tiefer.
Ist er satt? Nein. Für den Winter steht das Eistauchen auf seinem Plan – nach der Ägyptenreise, versteht sich, denn irgendwo muss man die Tauchgänge sammeln, die es dafür braucht.
Und Trix? Sie ist noch am Überlegen, ob sie es sich zutraut. Markus ist fleissig am «Bearbeiten». Wir tippen auf ein neues Buddyteam bis nächsten Sommer.
Falls du gerade ein Geschenk suchst
Ein Gutschein zum Schnuppertauchen kostet CHF 119 und gilt für rund drei Stunden am See – Ausrüstung, Betreuung und der erste Atemzug unter Wasser inklusive. Wir stellen ihn persönlich aus, mit Namen. Was daraus wird, entscheidet dann die beschenkte Person. Manchmal wird ein Taucher daraus.
